19.02.2013 |  Andrea Wörle
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Automobilindustrie


Volkswagen will Afrika nicht den Wettbewerbern überlassen



Autos der Volkswagen AG werden auf der ganzen Welt verkauft. Vor allem die Schwellenländer haben enorm an Bedeutung für den deutschen Autokonzern hinzugewonnen. Auf lange Sicht könnte auch der afrikanische Kontinent eine wichtige Rolle für den DAX-Konzern spielen. Seine Fühler hat Volkswagen bereits gen Süden ausgestreckt.

Inzwischen erwirtschaftet der deutsche Autokonzern einen Großteil seines Unternehmensgewinnes in den Schwellenländern. Dabei ist „China für Volkswagen mittlerweile der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt, noch vor Deutschland. In den ersten neun Monaten des letzten Jahres haben die Wolfsburger in China ein operatives Ergebnis von 2,8 Milliarden Euro eingefahren“, sagt Frank Schwope, Aktienanalyst bei der NordLB.

Im Vergleich zum Vorjahr konnte VW 2012 im Reich der Mitte beim Absatz um 24 Prozent zulegen, in Russland waren es gar 38 Prozent. Und: Da die Märkte der aufstrebenden Schwellenstaaten noch längst nicht gesättigt sind, wird dieser Trend wohl anhalten. „In China kommen auf 1000 Einwohner nur etwa 50 Autos. In Westeuropa sind es hingegen etwa 550 Fahrzeuge“, erklärt Schwope.

„In Afrika besitzen weniger als 10 Prozent der Einwohner ein Fahrzeug“, schätzt der Autoexperte. Im Umkehrschluss bedeutet diese: Für die weltweiten Autokonzerne bietet der afrikanische Markt noch riesiges Potenzial, zumal in Afrika wie in anderen Schwellenländern auch eine zahlungskräftige Mittelschicht heranwächst. Noch erzielen Volkswagen und andere Massenhersteller nur einen Bruchteil ihrer gesamten Konzernumsätze auf dem südlichen Kontinent. Aber: „In 20 bis 30 Jahren wird Afrika ein interessanter Markt für die Automobilindustrie“, prognostiziert Schwope.

Keine neuen Werke, dafür mehr Absatz


Getreu dem Motto „der frühe Vogel fängt den Wurm“ betreibt Volkswagen deshalb schon seit Jahren eine Fertigungsanlage im südafrikanischen Uitenhage. Pläne, weitere Werke in Afrika zu errichten, existieren derzeit aber noch nicht. Der Konzern konzentriere sich eher auf den Absatz von Fahrzeugen. „Wir wollen in einem ersten Schritt mehr Autos verkaufen. Dafür müssen wir zunächst unsere Vertriebsstruktur stärken“, so Vorstandschef Martin Winterkorn in einem Interview der Superillu. Und diese entwickelt sich – zwar von einem niedrigen Niveau ausgehend – bereits prächtig. „In 2011 hat Volkswagen 39,4 Prozent mehr Autos in Südafrika verkauft als im Vorjahr“, bestätigt ein Konzernsprecher von VW, während in den ersten drei Quartalen 2012 rund 9 Prozent mehr Autos verkauft wurden.

Langfristig hält Aktienanalyst Schwope neben Südafrika vor allem die nordafrikanischen Länder Tunesien, Marokko und Ägypten als Absatzmärkte für die Automobilindustrie für interessant. Darüber hinaus auch das wirtschaftlich stark wachsende Angola und Nigeria, das bevölkerungsreichste Land des Kontinents. Dass auch Firmenlenker Winterkorn großes Potenzial in Afrika sieht, liegt in der Natur der Sache: „Viele Länder in Zentralafrika haben inzwischen seit Jahren zweistellige Wachstumsraten. Viele sprechen deshalb inzwischen sogar von einem zweiten Asien-Boom.“ Ob sich Volkswagen in Afrika ähnlich erfolgreich positionieren kann wie einst im Reich der Mitte, bleibt zwar abzuwarten, aber Wille besteht natürlich: „Diesen interessanten Markt werden wir nicht den Wettbewerbern überlassen“, so Konzernchef Winterkorn.

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Disclaimer: Foto: Volkswagen AG
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