19.02.2013 |  Andrea Wörle
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Länderporträt: Mosambik


Bald fünftgrößter Gasproduzent der Welt



Mosambiks Wirtschaft wächst schneller als die der meisten Länder der Welt. 7,5 Prozent waren es letztes Jahr. Und auch zukünftig könnte die Wirtschaftskraft kräftig zulegen, denn das Land ist reich an Bodenschätzen.

Wasserkraft liefert Energie für Aluminiumschmelze


Mosambik ist einer der weltweit bedeutendsten Aluminium Produzenten. „500.000 Tonnen werden jährlich hergestellt. Damit ist das Mozal-Werk eines der größten Aluminium-Schmelzen der Welt“, sagt Andreas Wenzel, Generalsekretär der Südlichen Afrika Initiative der Deutschen Wirtschaft (SAFRI). Das für die Aluminium-Herstellung notwendige Bauxit wird aus Australien importiert. „Der Strom für die energieintensive Aluminium-Schmelze stammt aus dem Cahora Bassa Staudamm. Eines der größten Wasserkraftwerke der Welt“, erklärt der Afrika-Experte.

Rund 2000 Megawatt Strom pro Jahr produzieren die Turbinen des 1969 von den Portugiesen gebauten Staudamms. Strom, den eigentlich auch die Bevölkerung Mosambiks gut gebrauchen könnte. Doch wie fast überall auf dem südlichen Kontinent fehlt es an der dafür notwendigen Energie-Infrastruktur. Zwar gäbe es Pläne, das Hochspannungsnetz des Landes auszubauen, wobei dieses kaum die ländlichen Regionen erreichen würde. Zumal hält Wenzel es für sinnvoller, die Landbevölkerung dezentral über erneuerbare Energien mit Strom zu versorgen.

Wachstumstreiber Kohle und Gas


Neben der Aluminium-Schmelze befeuern auch die Kohlefunde die Wirtschaftskraft Mosambiks. So befindet sich in der Provinz Tete vermutlich die größte noch unerschlossene Kohlelagerstätte der Welt. Die internationalen Bergbauunternehmen Rio Tinto (Australien) und Vale (Brasilien) bauen das Brennmaterial ab. „Bislang exportiert Vale jährlich 4,5 Millionen Tonnen Kohle via Eisenbahn zum Hafen nach Beira. Es könnte allerdings noch mehr sein, wenn es eine funktionierende Infrastruktur gäbe“, erklärt der Wenzel. Die Bergbauunternehmen investieren deshalb etwa 500 Millionen US-Dollar in den Ausbau der Eisenbahnlinie und knapp 1,5 Milliarden US-Dollar in den Ausbau des Hafens von Nacala im Norden des Landes. Dort sollen dann bis zu 20 Millionen Tonnen Kohle umgeschlagen werden können.

Neben Kohle verfügt Mosambik auch über beträchtliche Erdgasvorkommen. „Vor der Küste werden Gasfunde in der Größenordnung ähnlich der von Katar vermutet. Sollten sich diese Erwartungen erfüllen, würde Mosambik zum fünftgrößten Erdgasproduzenten der Welt aufsteigen“, weiß Wenzel.

Die internationalen Erdgas- und Erdölunternehmen Anadarko (USA) und ENI (IT) wollen dabei nicht nur die Erdgasfelder erschließen, sondern das Gas auch direkt vor Ort zu transportfähigem Flüssiggas weiterverarbeiten. Mit den geplanten Investitionen in die Verflüssigungsanlagen würde Mosambik zu den 15 Ländern mit den größten ausländischen Direktinvestitionen gehören, schreiben die Autoren eines Berichts der Friedrich-Ebert-Stiftung von August 2012. 35 Milliarden US-Dollar sollen es in den kommenden fünf Jahren sein.

Potenzial: Landwirtschaft und Tourismus


Dennoch bleibt es unabdingbar, dass Mosambik seine Wirtschaft auf breitere Füße stellen muss. Neben dem Rohstoffsektor hält Wenzel vor allem zwei Sektoren für vielversprechend: „Mosambik nutzt bislang nur fünf Prozent des für die Landwirtschaft geeigneten Bodens.“ Der landwirtschaftliche Sektor hätte demnach enormes Potenzial und könnte zudem auch viele Arbeitsplätze schaffen. Gleiches gilt für den Tourismus. Das Land hat nicht nur knapp 2.500 kilometerlange Strände, sondern auch zahlreiche Nationalparks. „Bislang gibt es allerdings nur Low Budget Unterkünfte und einige wenige Fünf-Sterne-Resorts für reiche Urlauber aus Südafrika“, sagt Wenzel. Die kaum vorhandene Infrastruktur verhindert demnach auch die Weiterentwicklung dieses wirtschaftlichen Feldes.

Arm trotz Reichtum


Trotz seiner Ressourcen und des vielversprechenden Potenzials gehört das ostafrikanische Land immer noch zu den ärmsten der Welt. Die knapp 24 Millionen Einwohner haben durchschnittlich zwar 1.200 US-Dollar im Jahr zur Verfügung. Doch wegen der ungleichen Verteilung leben laut CIA Factbook 55 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Mit anderen Worten bedeutet das: Mehr als die Hälfte der Mosambikaner lebt von weniger als zwei US-Dollar am Tag.

Wenn die Einnahmen aus dem Rohstoffsektor also vernünftig reinvestiert würden, könnte die Armut der Bevölkerung wirksamer bekämpft werden – und die Wirtschaftskraft des Landes damit noch stärker wachsen. Für dieses Jahr prognostiziert die OECD eine Wachstumsrate von 7,9 Prozent.


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