16.07.2014 |  Jan Fulle
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Länderporträt: Simbabwe


Ein Land in Geiselhaft



Simbabwe steht am Abgrund und erholt sich nur langsam von der verfehlten Wirtschaftspolitik der letzten Jahrzehnte. Das Land leidet unter Stillstand, Korruption und seinem autoritär regierenden Präsidenten Robert Mugabe.

Pomp und Pathos gefallen Robert Mugabe, dem Präsidenten Simbabwes. Erst Im Februar ließ er seinen 90. Geburtstag in einem rauschenden Fest sowie mit Allerlei Speisen und erlesenen Getränken feiern. Währenddessen leidet der Großteil der Bevölkerung unter vielen wirtschaftlichen und sozialen Problemen des Landes.

Mugabes langes und bewegtes Leben ist eng mit dem Schicksal Simbabwes verknüpft, das er seit nun 34 Jahren regiert. Der einstige Freiheitskämpfer gegen die britische Kolonialmacht hat sich in den Jahren zum autoritären Despoten gemausert, der das Land wirtschaftlich und sozial an den Abgrund geführt hat.

Die Kennzahlen sind verheerend: Zwischen 1999 und 2008 sank die Wirtschaftskraft Simbabwes um fast 50 Prozent, die Staatsverschuldung liegt bei 113 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Auf dem Höhepunkt der Rezession waren bis zu 80 Prozent der Simbabwer ohne Arbeit und die Inflation erreichte einen Wert von fantastischen 11,2 Millionen Prozent. Mehr als zwei Drittel der Simbabwer gelten den Vereinten Nationen (VN) zufolge heute als arm, mehr als zwei Millionen sind in der einstigen Kornkammer Afrikas auf Lebensmittelhilfen angewiesen, die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 60 Jahre.

Auch bei wichtigen Indikatoren schneidet Simbabwe schlecht ab. So belegt das Land etwa nur den 172. Platz (von 185 Ländern) beim Ease of Doing Business Index der Weltbank und rangiert auf Platz 157 (von 175) beim Korruptionsindex von Transpareny International.

Verfehlte Wirtschafts- und Agrarpolitik


Simbabwes derzeitige Situation ist das Ergebnis einer über Jahre verfehlten Wirtschafts- und Agrarpolitik, die bereits kurz nach der Unabhängigkeit des Landes von Großbritannien im Jahr 1980 begann. Anfängliche wirtschaftliche Erfolge wurden mit Schulden erkauft, die das Land nicht zurückzahlen konnte. Die Umstellung der Ökonomie von einer Plan- zu einer Marktwirtschaft ab 1990 verlief danach nur unvollkommen. Darüber hinaus schwächte eine überhastete Landreform, die mit den kolonialen Strukturen brechen und weiße Farmer entmachten sollte, die Ökonomie des Landes zusätzlich.

Zwar verfügt Simbabwe über reiche Bodenschätze, wie Gold, Nickel und Kupfer, jedoch über keine verarbeitende Industrie in diesem Sektor, was das Land abhängig macht von den Preisentwicklungen an den internationalen Rohstoffmärkten. Die Regierung erwies sich überdies als unfähig Reformvorgaben internationaler Organisationen wie der Weltbank oder des Internationalen Währungsfonds umzusetzen und verletzte sogar bewusst bestehende Verträge, wie diverse Investitionsschutzabkommen. Davon abgeschreckt, zogen auch viele ausländische Investoren ihr Kapital wieder aus Simbabwe ab. Die Folge: Die Infrastruktur des Landes liegt danieder, Stromausfälle sind an der Tagesordnung und schwächen die Wirtschaft zusätzlich. Alleine der Investitionsbedarf in diesem Bereich wird auf 10 bis 20 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Ökonomischer Neustart


Versuche der Regierung, den Abwärtstrend aufzuhalten, blieben lange Zeit vergeblich. 2009 schien die Wende geschafft. Bedingt durch den Minen-, Agrar- und Dienstleistungssektor und großzügigen Finanzhilfen westlicher Geber stieg das BIP bis ins Jahr 2011 um mehr als 20 Prozent. Die Inflation stabilisierte sich nach der Abschaffung des Simbabwe-Dollars und der Einführung des US-Dollars als offiziellem Zahlungsmittel auf einen durchschnittlichen Wert von 3,7 Prozent im Jahr 2012.

Die wirtschaftliche Lage bleibt jedoch angespannt. Das Wachstum hat sich seit 2011 wieder abgekühlt und liegt seitdem durchschnittlich bei 4 Prozent. Simbabwe braucht dringend frisches Geld. Die Regierung von Robert Mugabe hat zu diesem Zweck das Programm ZimAsset 2013-2018 aufgelegt, mit dem sie unter anderem Investitionen in Simbabwe attraktiver machen möchte. Wirtschaftsexperten bescheinigen dem Ansinnen der Regierung aber nur wenig Erfolg.

Nachhaltigem Wachstum im Weg stünden immer noch die politische Instabilität des Landes, geringe Investitionssicherheit und in dessen Folge ein Mangel an Kapital. Darüber hinaus bleibt auch die hohe Korruption, ein aufgeblähter öffentlicher Sektor, sowie zu große Eingriffe des Staates in betriebliche Belange problematisch, schrieb die Weltbank kürzlich in einer Studie .

Ausblick


Das Land steckt in der Sackgasse und den Regierungsverantwortlichen gelingt es nicht, es dort heraus zu manövrieren und das Potenzial des Landes abzurufen. Simbabwe scheint zur Geisel seiner politischen und wirtschaftlichen Elite geworden zu sein.

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Disclaimer: Foto: © bogdanserban - Fotolia.com
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