4.07.2014 |  Franci Knezevic, Continents Consulting Services
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Franci Knezevic, Continents Consulting Services


Ostafrika: das neue Eldorado der internationalen Öl-und Gasindustrie



Es ist bekannt dass Nigeria und Angola mit zu den größten ölproduzierenden Ländern der Welt gehören. Algerien verfügt über riesige Gasfelder und wurde zuletzt immer wieder als potenzielle zukünftige Alternative hinsichtlich der Gasversorgung Westeuropas in den Medien diskutiert. E.ON zum Beispiel exploriert in Algerien gemeinsam mit dem algerischen Öl- und Gas-Staatsunternehmen Sonatrach (Jahresumsatz 2012: rund 70 Milliarden US-Dollar) und hofft dort neue Öl- und Gasfelder erschließen zu können. Jedoch ist Ostafrika der aktuelle Hot-Spot für die internationale Öl- und Gasindustrie. Die Entwicklungen in Ländern wie Sudan, Uganda, Kenya, Tanzania und Mozambique sind als rasant zu bezeichnen.

Uganda und Kenia befinden sich aktuell im Wettlauf welches der beiden Länder der erste Ölproduzent in Ostafrika wird. Tullow Oil, Total sowie die China Offshore Oil Corporation betreiben Projekte in Uganda und das Land verfügt über geschätzte Ölreserven von 3,5 bis 4 Milliarden Barrel. Alleine das Turkana-Becken in Kenia birgt rund 1 Milliarde Barrel an Öl. Produktion wird in Uganda ab dem Jahr 2018 erwartet und in Kenia potentiell schon ab 2016.

Kenias Nachbar Tansania ist in der Vergangenheit eher als Goldproduzent in Erscheinung getreten, nunmehr expandieren die Explorationsaktivitäten im Gasbereich derart rapide, dass sich das „Who is Who“ der Gasindustrie bereits seit ein paar Jahren in Tansania tummelt. Die deutsche Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe schätzte 2013 die Erdgasressourcen des Landes mit 1,4 Billionen Kubikmeter als sehr umfangreich ein.

Mozambique dürfte in den nächsten Jahren zu einem der größten Gasproduzenten des Kontinents aufsteigen. Alleine im Rovuma-Becken haben der US-amerikanische Konzern Anadarko und das italienische Energieunternehmen ENI solche gigantischen Gasvorkommen gefunden, das in den nächsten Jahren nur durch diese zwei Unternehmen Investments im hohen zweistelligen Milliardenbereich erwartet werden. Leider gehen mit diesen positiven wirtschaftlichen Entwicklungen enorme soziale sowie politische Spannungen in Mozambique einher, so dass sich das Land in einer komplexen Situation befindet und vor der großen Herausforderung steht den Rohstoffsegen in ein gesundes Wachstum für die gesamte Nation umzumünzen.

Enorme Infrastruktur-Investments in Pipelines, Trains, LNG-Anlagen, Raffinerien, Hafenterminals und Lagertanks stehen an, da Transport- und Verarbeitungsinfrastruktur so gut wie nicht existent ist. Die norwegische Statoil plant zum Beispiel den Bau einer 10 Milliarden US-Dollar teuren Gasverflüssigungsanlage für den Export in Tansania.

Die Gesetzgebungen der verschiedenen ostafrikanischen Länder sind veraltet und daher konsultieren Regierungen internationale Berater, um bei der Vergabe der Öl- und Gaslizenzen beste Voraussetzungen für das eigene Land zu schaffen. Das Ziel ist dabei neben möglichst hohen Einkünften für den Staat auch den eigenen Energiemarkt zu entwickeln und durch verbesserte Energieversorgung im eigenen Land dessen Entwicklung voranzutreiben. Die ostafrikanischen Länder wehren sich zunehmend dagegen, dass ihre Rohstoffreserven nur dem Export dienen sollen. Mit diesen Entwicklungen gehen enorme politische Umwälzungen in den vorangehend genannten Ländern einher und der Wettbewerb zwischen den internationalen Investoren ist im vollen Gange.

Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass die geplanten Investitionen in die verschiedenen Öl- und Gasprojekte der ostafrikanischen Länder, die dazu notwendige Infrastruktur und Entwicklung des jeweiligen lokalen Arbeitsmarktes ein gewaltiges Konjunkturprogramm für die gesamte Region darstellen. Es entsteht eine dynamisch wachsende Region, die Unternehmen und Dienstleister aus der ganzen Welt anzieht und Ostafrika auf ein neues wirtschaftliches Level transformieren wird.

Franci Knezević ist Rechtsanwalt/Berater bei Continents. Consulting Services und Afrikakenner.
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