20.06.2014 |  Andrea Wörle
drucken |  versenden |  Feedback

African Economic Outlook


Afrikas Aufholjagd



Afrikas Wirtschaftsleistung hat sich im letzten Jahrzehnt verdreifacht. Auch die ausländischen Direktinvestitionen sind wieder auf das Niveau von vor der Finanzkrise geklettert. Interessant ist vor allem, dass Portfolioinvestments stark zugelegt haben.

Im letzten Jahrzehnt hat in etlichen afrikanischen Staaten wahrlich eine wirtschaftliche Aufholjagd begonnen. So hat sich Afrikas Wirtschaftsleistung in den letzten zehn Jahren verdreifacht – wenngleich es in vielen Ländern von einem niedrigen Niveau ausging. Anders als früher ist das Wachstum heute zunehmend konsumgetrieben. In der Vergangenheit ließen vor allem die Einnahmen aus den Öl- und anderen Rohstoffgeschäften die afrikanischen Kassen klingeln. Der wachsenden Mittelschicht sei Dank wird der afrikanische Wirtschaftsmotor heute immer stärker durch die heimische Nachfrage angekurbelt. Weitere Treiber sind Investitionen in die Infrastruktur und der Handel mit verarbeiteten Gütern. Für dieses Jahr erwarten die Autoren des „African Economic Outlook“ „AEO“, dass die Wirtschaftsleistung der afrikanischen Länder im Schnitt um weitere 4,8 Prozent wächst; in 2015 sollen es bis zu 6 Prozent sein.

Afrika ist die am schnellsten wachsende Region der Welt. Zugleich jedoch kaum in die Weltwirtschaft integriert – mit Ausnahme von Südafrika. Doch genau in diesem Punkt scheint Afrika in den letzten Jahren beträchtliche Fortschritte gemacht zu haben. Einigen Regionen beziehungsweise Ländern ist es etwa gelungen, Hotspot für bestimmte Produktionszweige zu werden. So wächst in Äthiopien eine Textilindustrie heran, Ruanda ist für seine Internet- und Computertechnologie bekannt, in Nigeria ist der florierende Konsumsektor ein wichtiger Wachstumstreiber und die nordafrikanischen Länder fungieren als Zulieferer für die Automobilindustrie.

Wirtschaftswunder durch bessere Integration


Den Autoren des AEO-Berichts zufolge ist genau das der Schlüssel zum Erfolg: Wenn es Afrika schafft, sich stärker in die globale Produktionskette von Gütern und Dienstleistungen einzureihen, könnte dem Kontinent ein wahres Wirtschaftswunder gelingen. „Mittel- und langfristig sollte die Möglichkeit, stärker in den globalen Produktionsketten partizipieren zu können, als Teil einer großen Strategie betrachtet werden, um ein starkes und nachhaltiges Wachstum zu erzielen“, sagt Mthuli Ncube, Chefökonom und Vize-Präsident der AfDB. Der jährliche AEO-Bericht ist die ausführlichste Studie über die wirtschaftliche Entwicklung des südlichen Kontinents und wird von der Afrikanischen Entwicklungsbank, der OECD und dem UN Entwicklungsprogramms (UNDP) herausgegeben.

Mehr Kapital fließt nach Afrika


Südafrika gilt für Investoren, die andere afrikanische Länder noch mit Vorsicht betrachten, als das Eintrittstor in den afrikanischen Markt. Doch diese Zeiten scheinen sich zu ändern. „Die wahrgenommenen Risiken haben abgenommen“, stellt Jan Rieländer, Mitautor des AEO-Reports fest. Es verwundert daher kaum, dass sich die gesamten externen Geldflüsse nach Afrika seit 2000 sogar vervierfacht haben und in diesem Jahr eine Höhe von 200 Milliarden US-Dollar erreichen. 115 Milliarden US-Dollar setzen sich aus Entwicklungshilfe und Überweisungen von Verwandten aus dem Ausland nach Afrika zusammen. Auf die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) entfallen etwa 60 Milliarden US-Dollar. „Damit erreichen die FDIs wieder die gleiche Höhe wie vor der Finanzkrise“, sagt Rieländer.

Spannend ist aber vor allem, wie stark Portfolioinvestments zulegen konnten. 2011 wurden lediglich sieben Milliarden US-Dollar in afrikanische Aktien oder Anleihen investiert. Für 2014 erwarten die Forscher bereits eine Höhe von knapp 24 Milliarden US-Dollar. „Portfolioinvestments sind in den letzten drei Jahren immer attraktiver geworden“, sagt Rieländer. Das gesamte Volumen wird auf 200 Milliarden US-Dollar geschätzt (Stand: 2012). „Dieser Bestand hat sich im letzten Jahrzehnt geradezu verfünffacht und belegt die guten Fortschritte des afrikanischen Schulden- und Kapitalmarkts – und gleichzeitig die Bereitschaft von Investoren höhere Risiken einzugehen“, erklärt Rieländer.

Zahlreiche erfolgreiche Emissionen


Dass immer mehr Investoren gen Süden blicken, dürfte auch an den makroökonomischen Strukturen liegen, die sich in vielen afrikanischen Ländern stark verbessert haben. So liegt die Staatsverschuldung der meisten afrikanischen Staaten im Schnitt nur zwischen 30 und 40 Prozent – gemessen an der jährlichen Wirtschaftsleistung“, erklärt Rieländer. Zum Vergleich: Deutschland ist mit über 80 Prozent seines jährlichen Bruttoinlandsprodukts verschuldet. Zudem arbeiten in mehr und mehr afrikanischen Ländern die Zentralbanken immer besser und bekommen beispielweise die früher noch exorbitant hohen Inflationsraten besser in den Griff.

Wer als Anleger von diesen Fortschritten und den guten makroökonomischen Strukturen in Afrika profitieren möchte, könnte über den Kauf von Afrikabonds nachdenken. Ein Investment in einzelne afrikanische Staatsanleihen ist aufgrund vieler bürokratischer Hürden jedoch nur schwer realisierbar und wenn überhaupt nur für risikobewusste Anleger eine Option.


Artikel bewerten uninteressant | interessant | sehr interessant
Disclaimer: Foto: © Natalia Danecker - Fotolia.com
Ostafrika: das neue Eldorado der internationalen Öl-und Gasindustrie
Teaser Es ist bekannt dass Nigeria und Angola mit zu den größten ölproduzieren-den Ländern der Welt gehören. Algerien verfügt über riesige Gasfelder und wurde zuletzt immer ... Mehr
Kenia und Nigeria sind für Investoren die afrikanischen Hotspots
Teaser Afrika bietet Investoren sehr viele Anlage-chancen. Da sich jedoch viele Länder südlich des Mittelmeeres noch in einem sehr frühen Stadium der wirtschaftlichen und ... Mehr
Der vier Regionen-Kontinent
Teaser Der historische Uhrenturm im Hafenviertel von Kapstadt ist ein beliebter Treffpunkt, von dem aus Besucher an der Victoria and Alfred Waterfront entlang schlendern ... Mehr
Partnerangebote
Links
Spacer