19.02.2013 |  Andrea Wörle
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Krisenherd Mali


Zerstörerischer Konflikt nimmt kein Ende



Mali galt einmal als Musterdemokratie in Afrika, neben Ghana. Doch seit über einem Jahr schwelen Konflikte und kriegerische Auseinandersetzungen zwischen islamistischen Gruppen und der Regierung. Am 11. Januar hat Frankreich eingegriffen. Doch was ist die Ursache dieses Konfliktes? Welche wirtschaftlichen Folgen hat der momentane Krieg für die Bevölkerung und wie wird es in Mali weitergehen?

Einsatz vorerst erfolgreich


Der französische Außenminister Laurent Fabius hat angekündigt, die 4.000 französischen Soldaten ab Mitte März wieder schrittweise abziehen zu wollen. Am 11. Januar ist Frankreich der Bitte der malischen Regierung nachgekommen und hat französische Truppen nach Mali geschickt. Der Einsatz gilt vorerst als erfolgreich; die terroristischen Gruppierungen konnten gen Norden zurückgedrängt werden.

Auch Charlotte Heyl, Politikwissenschaftlerin am German Institute of Global and Area Studies (GIGA) für Afrika-Studien in Hamburg, schätzt das französische Vorgehen insgesamt als positiv ein: „Frankreichs Streitkräfte konnten die drei strategisch wichtigen Städte Kidal, Goa und Timbuktu von den Rebellen befreien.“ Das eigentliche Problem des Konflikts ist damit aber noch nicht gelöst. Denn dieses sitzt weitaus tiefer.

Ein Unruheherd ist zum einen die säkulare MNLA (Mouvement National de libération de l’Azawad), eine Tuareg-Gruppe. Die Tuaregs sind eine ethnische Gruppe, die in den Maghreb-Staaten beheimatet ist. Durch die willkürliche Grenzziehung der früheren Kolonialmächte wurde ihr Heimatgebiet zerschnitten. Die Forderung der MNLA ist deshalb ein eigener Staat im Norden Malis. Die Ansar Dine mit ihrem Anführer Iyad Ag Ghaly verfolgt hingegen „eine islamistische Agenda und möchte in Mali das Scharia-Recht etablieren“, sagt Heyl.

Der Konflikt schwelt schon länger


Begonnen hat die Offensive der islamistischen Gruppierungen Anfang 2012. „Ende März 2012 hatten die Rebellen bereits etwa zwei Drittel des malischen Gebiets eingenommen. Danach herrschte lange Zeit Stillstand“, erklärt Heyl.

Dass Frankreich Anfang des Jahres in den Konflikt eingegriffen hat, dürfte am ehesten mit den etwa 6.000 französischen Staatsbürgern, die in Mali leben und Geschäftsbeziehungen unterhalten, zu erklären sein. Dazu kommt, dass eine instabile Sahel-Zone – schon wegen der geografischen Nähe – keinesfalls im Interesse von Europa sein kann. Aber auch wirtschaftliche Interessen dürften beim Vorgehen der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone eine Rolle gespielt haben.

So berichtet etwa das Manager Magazin unter Berufung auf das französische Magazin „Le Point“ und der Agentur Reuters davon, dass französische Spezialtruppen drei Uranbergwerke des französischen Areva-Konzerns vor Islamisten und Tuareg-Rebellen schützen sollen, wenngleich die Regierung von Niger der Stationierung noch zustimmen müsse.

Ungewisse Zukunft


Wann der Konflikt in Mali beendet sein wird, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt kaum zu prognostizieren. Klar ist, dass ein Gebiet, das ungefähr doppelt so groß wie Frankreich und gleichzeitig dünn besiedelt ist, nur schwer vollständig kontrolliert werden kann. Zumal die malische Armee alles andere als internationale Standards aufweist.

Wichtig sei nun vor allem, dass „die großen und strategisch wichtigen Städte nicht zurück in die Hände von islamistischen Gruppen fallen dürfen“, so Afrikaexpertin Heyl. „Doch dafür muss die malische Armee besser ausgebildet und ausgerüstet werden.“ Ob die 200 Ausbilder, die die Europäische Union ab März nach Mali schicken wird, ausreichen werden, um die malische Armee nachhaltig zu stärken, darf zumindest bezweifelt werden.

Um für mehr politische Stabilität zu sorgen, sind auch zeitnahe Wahlen enorm wichtig. „Die Durchführung einer Wahl im gesamten Territorium gestaltet sich leider nur sehr schwierig. Zum einen, weil es an einem biometrischen Wählerregister fehlt und zum anderen weil viele Malier wegen des Krieges in Nachbarstaaten geflohen sind“, erklärt Heyl. Wann die nächsten Wahlen durchgeführt werden können, ist also noch ungewiss. „Momentan kursiert Juli 2013 als möglicher Termin“, sagt Heyl.

Konflikt trifft die Schwächsten


Sicher ist indes, dass die Menschen die Leidtragenden sind. Nicht nur, dass Mali mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommens von knapp 1.100 US-Dollar ohnehin eines der ärmsten Länder Afrikas ist. Seit der Konflikt ausgebrochen ist, leiden die Malier zudem durch die gestiegenen Preise für Nahrungsmittel.

Hoffnungen ruhen vor allem auf dem Rohstoffreichtum Malis, wenngleich das westafrikanische Land längst nicht zu den Rohstoff-Schwergewichten des Kontinents zählt. Dennoch: Für Malis Wirtschaftskraft ist vor allem das Geld aus den Goldexporten eine wichtige Einnahmenquelle. Das Land ist der drittgrößte Goldproduzent auf dem afrikanischen Kontinent und hat 2011 etwa 46 Tonnen des Edelmetalls hergestellt. „Dies entspricht 1,6 Prozent des weltweit produzierten Goldes“, erklärt Michael Ott, Rohstoff- und Emerging-Markets Experte bei der Commerzbank.

Zwar ist der Konflikt in der Region mit Sicherheit nicht förderlich für weitere Investitionen im Land. Mut macht jedoch, dass einige Unternehmen dennoch den Weg gen Mali wagen. So hat etwa das kanadische Unternehmen Endeavour im Oktober 2012 das in der Goldproduktion aktive malische Unternehmen Avion übernommen. „Das zeigt die Zuversicht, die es auf der Investorenseite in die politische Zukunft Malis gibt“, so Rohstoffexperte Ott.


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