19.02.2013 |  Heiko Schwiderowski
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Kolumne, Heiko Schwiderowski, AHK


China in Afrika – auch die deutsche Wirtschaft profitiert!



Die Meldungen über neue Rohstofffunde in den Ländern südlich der Sahara reißen nicht ab: Inzwischen können fast alle westafrikanischen Länder am Golf von Guinea bis hin zu Namibia im Süden auf Ölvorkommen „vor der eigenen Haustür“ verweisen. Doch auch in einigen zentral- und ostafrikanischen Ländern sind erste Ölfelder gesichtet worden. Damit wächst insbesondere unter europäischen Beobachtern die Sorge vor einem (noch) stärkeren Engagement chinesischer (Staats-) Unternehmen auf dem afrikanischen Kontinent. Dies betrifft nicht nur den Abbau der Rohstoffe, sondern auch zahlreiche Projekte im Infrastrukturbereich, mit denen China die Rohstoffimporte quasi finanziert. Die sehr begrenzte Berücksichtigung von Sozial- und Umweltstandards wird dabei ebenso kritisiert wie die Tatsache, dass bei den sehr arbeitsintensiven Projekten kaum auf lokale Arbeitskräfte zurückgegriffen wird.

Diese Kritik ist berechtigt, sie spiegelt jedoch nur eine Seite der Medaille wider: Das zögerliche und durch viele Auflagen der EU gebremste Engagement europäischer Unternehmen in Afrika hat zu einem Rückstau an Investitionen geführt. Das hat viele afrikanische Regierungen verstimmt und den chinesischen Akteuren nun umso mehr in die Hände gespielt. Es ist festzustellen, dass gerade in den letzten Jahren viele Projekte im Bereich Straßen- und Eisenbahnbau, aber auch bei der Energieversorgung, als afrikanisch-chinesische Kooperationen angestoßen wurden. Das wird die Wettbewerbsfähigkeit afrikanischer Unternehmen nachhaltig verbessern und weitere Investitionen aus dem Ausland anziehen.

Die bereits in Afrika ansässigen deutschen Unternehmen profitieren einerseits von geringeren Produktions- und Transaktionskosten. Ihre Waren werden nun schneller und damit preiswerter durch Länder und Regionen transportiert. Seltenere Stromausfälle erhöhen darüber hinaus den Output und steigern die Produktivität. In einigen Ländern ist jedoch ein weiteres Phänomen zu beobachten: Die angolanische Regierung hat beispielsweise festgestellt, dass eine Zusammenarbeit mit chinesischen Unternehmen nicht die gewünschte Qualität liefert und überwiegend chinesische Arbeitskräfte eingesetzt werden. Dies hat zu einem lukrativen Auftrag für ein deutsches Ingenieurbüro geführt: Inzwischen hat das Unternehmen für die Bauaufsicht von rund einem Dutzend Projekte den Zuschlag erhalten. Straßen- und Bauabschnitte werden erst durch „grünes Licht“ der deutschen Experten freigegeben. Zur Bauaufsicht gehört auch die Einbindung von angolanischen Beschäftigten. Ähnliche „Dreiecksprojekte“ sind im Bereich Wasserkraft aus der Demokratischen Republik Kongo bekannt.

Der von der EU propagierte „Dreiecksdialog EU-Afrika-China“ findet also in der unternehmerischen Wirklichkeit längst statt. Für den Erfolg dieser Maßnahmen ist entscheidend, dass es kein Vorschlag von außen sondern die Erkenntnis der Entscheidungsträger in Angola war, den unbürokratischen Ansatz der Chinesen mit den erforderlichen deutschen Qualitäts- und Ausbildungsstandards zu verknüpfen. Nachhaltigkeit kann nur dann gelingen, wenn sie auf einer lokalen Nachfrage beruht und nicht mit erhobenem Zeigefinger aus dem Ausland vorgegeben wird.

Heiko Schwiderowski ist Leiter des Referats Afrika/Entwicklungspolitik beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag e.V.

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